Entdeckungstour durch Tokio

Schon vor ein paar Wochen ging es für mich nach Tokio, um dort den Marathon zu laufen (Laufbericht bald hier) und abgesehen von den 42 Kilometern durch die japanische Hauptstadt gab es noch ganz viele weitere Eindrücke, die ich nicht vergessen werde.

(Jetlag-)vorbereitung & Abreise

Ein sehr lesenswerter Reiseführer war meine einzige Vorbereitung. Um die Themen Visum, Impfen o.ä. muss man sich gar nicht kümmern. Also habe ich einen Flug und eine Airbnb-Unterkunft gebucht und bin los geflogen.

Natürlich hielt ich mich für klug und dachte ich, dass ich wie ein Formel-1-Fahrer den Jetlag überlisten kann, wenn ich mit Melatonin, Sonnenbrille und vorgezogenen Schlafenszeiten experimentiere. Nun, das ist gnadenlos nach hinten los gegangen und ich werde in Zukunft einfach wieder schlafen, wenn ich müde bin und aktiv sein wenn ich wach bin. Man kann schließlich zu jeder Tageszeit Sport machen, arbeiten oder sogar etwas unternehmen –  auch wenn man um 3 Uhr morgens aufgrund von Jetlag wach wird.

Ankunft und Besonderheiten

Nach der Ankunft wollte ich dank des sehr guten Verkehrsnetzes zur Unterkunft und musste schnell feststellen: Japan ist ein Bargeldland. Ziemlich verrückt für ein Land, in dem Roboter mittlerweile schon am Empfang von Hotels arbeiten oder angeblich manch einsamen Japaner Gesellschaft leisten.

In der Bahn angekommen, erinnert man sich schnell an Tokio wie man es aus dem Fernsehen kennt. Voll, hektisch und vor allem eins: Geordnet. Keiner isst oder raucht und jede kleinste Regel wird partout eingehalten. Das kam mir zunächst etwas fremd und roboterartig vor, doch man weiß das spätestens dann zu schätzen, wenn man in Frankfurt am Ankunftsterminal von Drogenabhängigen begrüßt wird und die Straßenbahn nach Hause voller Kaugummis und Müll ist.

Obwohl alles so geordnet läuft, machte jeder Japaner (und man sah teilweise stundenlang keinen westlichen aussehenden Menschen) einen sehr individuellen Eindruck – nur eben nicht in der Öffentlichkeit?! Das typische „Hey, you ran the Marathon? How cool!“ was einem in der USA 9 von 10 Menschen sagen während man im Starbucks auf seinen Kaffee wartet, gibt es hier nicht. Dafür kamen mir die Japaner umso hilfsbereiter vor. Wie man beispielsweise im Rahmen des Marathons behandelt worden ist, war wirklich extrem angenehm. Das gleiche habe ich in den vielen schönen Restaurants erlebt.

Touren in und um Tokio

Der erwähnte Reiseführer war neben Google Trips eine sehr gute Orientierung, sodass man je nach Wetter und Körpergefühl 1-2 schöne Touren pro Tag machen konnte. Bereits nach dem Marathon fing es mit einem der Highlights an:

Tour zum Mount Fuji

Es gibt zahlreiche Bustouren, bei denen man eine Bergstation des Fuji, schöne Seen, die Hakone-Seilbahn und verschiedene Tempel sehen kann bevor es mit dem Schnellzug zurück nach Tokio geht. Typisch japanisch (aus dem Bus aussteigen, Fotos machen, einsteigen), doch genau das richtige für mich um ein paar schöne Drohnen-Aufnahmen zu machen.

Leider hat es aufgrund der Jahreszeit mit der Besteigung des „echten Mount Fuji“ nicht geklappt, aber spätestens während der Olympiade 2020 sollte es eine neue Chance geben. 🙂

Der Tsukiji Fischmarkt

Ärgerlich: Eigentlich bin ich ein Frühaufsteher und hab es trotzdem nicht zur Auktion gegen 4 Uhr morgens geschafft. Man bekommt aber auch später noch viel vom Geschehen auf dem bekannten Fischmarkt mit, der in zwei Bereiche geteilt ist: Dem klassischen „B2B-Fischmarkt“ und den offenen Fischmarkt für Besucher, auf dem es allerlei Fisch, Gemüse und Fertiggerichte gibt.

Der klassische Fischmarkt war mir etwas zu stressig und sogar etwas zu gefährlich, da überall die kleinen Elektrotransportfahrzeuge umherdüsen.

Ein Tag im Skytree

Eigentlich sollte es nur ein kurzer Ausflug werden, doch irgendwie hat der Besuch des 663m hohen Skytrees richtig Spaß gemacht. Tipp: Fast lane und 450m Upgrade buchen. Die Aussicht ist es wert:

So verging der Tag wie im Fluge und ich konnte am Abend sogar noch die Blaue Stunde nutzen:

Robot Restaurant

Weniger Restaurant als vielmehr die vermutliche abgefahrenste Aufführung, die ich je gesehen habe. Die ersten fünf Minuten musste ich ohne Unterbrechung lachen. Eine Mischung aus Musik, Tanzen und vor allem eins: Mächtige und schrille Roboterkämpfe. Das war jeden Yen wert!

Eine Mischung aus buntem Theater…

mit selbstgebauten Robotern…

… die gegen andere Roboter kämpfen.

Buntes Leben der Moderne

Stadtmenschen sollten sich unbedingt das Wokenkratzerviertel Shinjuku, das junge Leben in Harajuku und natürlich das Manga-Viertel Akihabara ansehen. Für mich persönlich war das oft an der Grenze zum Overload. Beispielsweise hat die Metro-Station Shinjuku mehr als ein Dutzend verschiedene Ausgänge und es macht einen riesigen Unterschied, welchen man wählt. In Köln spielt das dagegen kaum eine Rolle, welchen Ausgang ich am Rudolfplatz nehme…

Hier war ich einige Male ganz schön verloren und so bleibt einem oft nicht mehr übrig als sich treiben zu lassen. Generell ist auch in Tokio der Weg eher das Ziel und man entdeckt unterwegs viele schöne und lustige Dinge wie z. B.: Super-Mario Kart in der echten Welt.

Wenn man denkt, dass man schon alles gesehen hat, sieht man auf einmal eine riesige Menschenschlange vor einem Elektromarkt, wo man sein Glück mit einem CPU-Kaugummiautomat herausfordert.

Parks und Tempel

Im Gegensatz zu den lauten Vierteln sind die vielen Parks und Tempel eine Wohltat und waren auch einer der Hauptgründe für den Besuch. Besonders der Yoyogi-Park hat mir sehr gut gefallen und man kann hier gut erahnen wie fröhlich und ausgelassen die Japaner wirklich sind.

Eine der bekanntesten Tempelanlagen in Tokio ist übrigens der Meiji-Schrein:

Ueno Zoo

Ich bin ein bekennender Zoogänger, da man hier endlich das Teleobjektiv noch mal ausreizen kann. Der Ueno Zoo ist sehenswert, aber auch etwas hektisch und überfüllt. Am meisten Menschen stehen übrigens vor den Pandas, die entweder essen oder schlafen.

Im Gegensatz zu Köln wirkt der Zoo viel größer, doch die Gehege sind irgendwie deutlich kleiner, sodass die Tiere nicht selten einen leidenden Eindruck machen. 🙁

Essen und Trinken in Tokio

Wie man in meinem Instagram-Account sieht, stellte das kulinarische Programm definitiv ein Highlight dar. Abgefahrene Süßigkeiten, Erdbeeren für 50 Euro, Reisbällchen, bequeme Voucher-Schnell-Restaurants (z. B. für Ramen) und gehobene Restaurants sowie All-You-Can-Eat-Angebote waren nach dem anstrengenden Marathon meine erste Wahl – Reihenfolge beliebig! 🙂

Bei den meisten Gerichten wie den Octupus-Bällchen musste mein Interesse an der veganen Ernährung jedenfalls etwas zurückgestellt werden. Falls doch mal Hunger aufkommt, gibt es an jeder Ecke kleine Reisbällchen, die meist in einem Dreieck verpackt sind:

Allgegenwärtig ist übrigens Matcha – eine besondere gemahlene Form des grünen Tees. Der Geschmack ist etwas speziell, doch im Gegensatz zu Kaffee gibt Matcha noch mal einen richtigen Schub. Auch in anderen Produkten wie Kit-Kat-Riegeln oder Eis ist Matcha der Renner.

Normalerweise esse ich selten Eis, doch schon am nächsten Tag konnte ich nicht widerstehen, als ich Frozen Popcorn sah. Man bereut schließlich nur die Dinge, die man nicht tut!

Kurz vor dem Rückflug konnte ich es mir dann auch nicht nehmen lassen, zum zweiten Male zum Shabu Shabu zu gehen – eine Art Fondue für Fleisch und Gemüse. Ein Traum, auch wenn man danach etwas nach Frittenbude riecht. 🙂

Dann vielleicht bis zum Jahr 2020! 🙂

PS: Noch mehr Bilder gibt es in meinem Flickr-Account.

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